ASP-Bekämpfung in NRW: Wie geht die Landesregierung beim Krisenmanagement weiter vor?

Als nächster Schritt soll die gesamte Sperrzone II eingezäunt werden und im Anschluss ist die Einrichtung sogenannter „weißer Zonen“ geplant.(Karte: © LAVE NRW)
Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat in der vergangenen Woche ihre Antworten auf eine Große Anfrage im Düsseldorfer Landtag vorgelegt und dabei ihren umfassenden strategischen Plan zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) erläutert. Dabei setzt sie zur Eindämmung der Seuche auf ein kombiniertes Maßnahmenbündel: Neben dem Bau von Hunderten Kilometern Festzaun und einer systematischen Kadaversuche sollen künftig nahezu wildschweinfreie Schutzkorridore – sogenannte weiße Zonen
– die Infektionskette unterbrechen. Zudem sollen verstärkte Biosicherheits- und Früherkennungsprogramme die Hausschweinbestände vor dem Eintrag schützen. Bislang konnte ein Eintrag in die Hausschweinbestände erfolgreich verhindert werden.
In Nordrhein-Westfalen wurden im Jahr 2026 bislang 518 ASP-Fälle bei Wildschweinen registriert. Die meisten Nachweise entfallen auf die Kreise Siegen-Wittgenstein (263 Fälle) und Olpe (217 Fälle). Im Hochsauerlandkreis wurden bisher 38 Fälle festgestellt.
Ministerium plant weitere Festzäune und weiße Zonen
Um das seuchenhygienische Management zu professionalisieren, setzt das Land auf ein kombiniertes Maßnahmenbündel und ein engmaschiges Netz an Schutzvorrichtungen. Bis Mitte Juni 2026 wurden bereits rund 515 Kilometer Festzaun in den betroffenen Regionen errichtet. Da das Virus jedoch vereinzelt durch Kadaververschleppung von Raubtieren oder über nicht abzäunbare Straßen die Barrieren weitergetragen worden sein könnte, zieht das Ministerium nun Konsequenzen: Als nächster Schritt soll die gesamte Sperrzone II eingezäunt werden. Direkt anschließend ist die Einrichtung sogenannter weißer Zonen
geplant. In diesen streng überwachten Schutzkorridoren soll der Wildschweinebestand massiv gegen null dezimiert werden, um die Infektionskette zu unterbrechen.
Jagddruck und Kadaversuche: Zahlen zeigen das Ausmaß
Die Bekämpfung der Seuche spiegelt sich in deutlichen Zahlen wider. Seit dem Ausbruch der ASP wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 51.293 Wildschweine erlegt. Parallel dazu wurden 1.466 Kadaver aufgefunden – die Suche im anspruchsvollen, waldreichen Gelände wird dabei primär durch 24 geprüfte Kadaversuchhundeteams sowie Drohnen bewerkstelligt.
Zur Bestandsschätzung im Kerngebiet setzte die Forschungsstelle für Jagdkunde im Frühjahr 2026 zudem auf den systematischen Einsatz von Drohnen: Die Experten schätzen den dortigen Bestand nach der Reproduktion auf rund 1.450 Wildschweine.
Die Kosten für den immensen operativen Aufwand zur ASP-Bekämpfung sind drastisch gestiegen: Stellte das Land im Jahr 2025 noch rund 2,9 Millionen Euro bereit, explodierte das ASP-Budget für 2026 auf über 32 Millionen Euro.
Früherkennung und Biosicherheit: Schutz der Hausschweinebestände
Um Schweinemast- und Zuchtbetriebe vor dem verheerenden Viruseintrag zu schützen, setzt das Landwirtschaftsministerium massiv auf das freiwillige ASP-Früherkennungsprogramm
. Teilnehmende Betriebe erfüllen dabei bereits im Vorfeld alle strengen Biosicherheitsanforderungen der EU-Verordnung, die im Ernstfall greifen würden. Unterstützt durch Beihilfen der Tierseuchenkasse NRW werden regelmäßige Blutproben sowie tierärztliche Biosicherheitsberatungen finanziert. Das Ziel ist klar: Sollte das Virus doch einen Betrieb erreichen, muss dieser Eintrag sofort bemerkt und festgestellt werden, um eine großflächige Verschleppung und Handelsrestriktionen für die gesamte Region abzuwenden.
Politischer Druck: Sorge vor dem Übergreifen aufs Münsterland
Die SPD-Fraktion hatte bei der Erläuterung der Großen Anfrage darauf hingewiesen, dass es trotz aller Beteuerungen bislang nicht gelungen sei, die Tierseuche auf überschaubarer Fläche einzudämmen. Was als lokales Problem in Südwestfalen begann, drohe bei einer weiteren Ausbreitung in Richtung des Münsterlandes zu einer existenziellen wirtschaftlichen Katastrophe für die dortige Schweinehaltung zu werden. Das Landwirtschaftsministerium betont in seiner Antwort jedoch, dass mit den massiven finanziellen Mitteln und den strategischen Planungen für die weißen Zonen bereits die entscheidenden Weichen gestellt sind, um genau dieses Szenario zu verhindern.
