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12.01.2026rss_feed

England legt Tierwohlstrategie vor – Fixierung bei der Abferkelung soll abgeschafft werden

© Canva

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Das britische Landwirtschaftsministerium hat dem Parlament eine Tierwohlstrategie vorgelegt, die für die Nutztierhaltung grundlegende Veränderungen vorsieht. In der Sauenhaltung will das Ministerium Ferkelschutzkörbe und die Fixierung der Muttertiere vollständig abschaffen. Bei der Schlachtung von Schweinen soll die Betäubung mit Kohlendioxid verboten werden, berichtet Agra Europe.

 

Auf die englischen Farmer kommen in den kommenden Jahren markante Änderungen in der Nutztierhaltung zu. Kurz vor Weihnachten hat das Landwirtschaftsministerium (DEFRA) in London eine Tierwohlstrategie ins Parlament eingebracht. Im Bereich der Nutztierhaltung geht es im Kern um die Abschaffung der bisherigen Haltungssysteme, die Änderung von Schlachtpraktiken und eine Stärkung des Tierschutzes. Ressortchefin Emma Reynolds sprach bei der Vorstellung der Pläne von einer unerlässlichen Reform.

 

Regierung will Fixierung von Sauen abschaffen

Eingang in die Tierwohl-Strategie hat auch die Sauenhaltung gefunden. Ohne einen Zeithorizont zu nennen oder finanzielle Unterstützung zuzusagen, heißt es darin, dass die Regierung in Zusammenarbeit mit der Branche die Fixierung von Muttertieren abschaffen will. Nach Zahlen des britischen Schweineerzeugerverbandes (NPA) von 2024 werden in 92% der Stallhaltungssysteme Abferkelbuchten mit Ferkelschutzkörben verwendet; nur 8% sind schon auf alternative Abferkelanlagen umgestellt worden. Der NPA schätzt, dass in ganz Großbritannien bereits 5.000 Abferkelplätze mit flexibler Fixierung genutzt werden und weitere 1.000 Plätze aktuell in Planung sind.

 

Übergangslösungen für Sauenhalter werden geprüft

Ziel der Regierung ist es laut dem Papier, in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft Möglichkeiten für den Übergang von konventionellen Abferkelbuchten zu alternativen Systemen zu prüfen. Das DEFRA bringt hier entweder eine flexible Abferkelung ins Spiel, bei der die Sau nur um den Geburtstermin herum fixiert ist, oder eine freie Abferkelung ohne weiteren Schutz der Jungtiere auch bei der Laktation.

 

Schlachtung: Betäubung mit CO2 soll verboten werden

Dringenden Handlungsbedarf hat das Agrarressort beim Tierschutz während des Schlachtvorgangs ausgemacht. So soll bei der Schlachtung von Schweinen die Betäubung mit Kohlendioxid verboten werden. Weitere Details, ab wann dies umgesetzt werden soll und welche Alternativen zum Einsatz kommen sollen, gehen aus den Regierungsplänen nicht hervor.
Ermutigen möchte das DEFRA darüber hinaus die Farmer, die seit 2007 bestehenden Ausnahmen im Tierschutzgesetz zum Kupieren der Schwänze von Schweinen, das Kürzen der Schnäbel von Legehennen, die Kastration von Lämmern oder das Kupieren der Schwänze von Lämmern nicht mehr routinemäßig anzuwenden. Um dieses Ziel zu erreichen, will das Ministerium mit der Branche und den Tierärzten kooperieren.

 

Verbände fordern angemessene Übergangszeiten und Alternativen

Die Reaktionen in der Agrarbranche fielen bislang zurückhaltend aus. Mehrere Verbände betonten, die Vorschläge zunächst eingehend prüfen zu müssen. Der NPA machte indes deutlich, dass er anstelle eines sofortigen Verbots herkömmlicher Abferkelbuchten einen schrittweisen Übergang innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens hin zu flexiblen Abferkelanlagen begrüßen würde. Dies würde den Sauen mehr Zeit ohne Fixierung bieten. Gleichzeitig warnte er davor, Farmer, die die ersten bei einer Umstellung seien, durch künftige gesetzliche Anpassungen zu benachteiligen.

Bezüglich des angestrebten Verbots der Betäubung der Schweine mit Kohlendioxid bei der Schlachtung fand der NPA hingegen deutliche Worte. Aus Sicht des Verbandes gibt es bislang keine praktikablen Alternativen. Zwar würden weltweit neue Methoden in Forschungsprogrammen untersucht. Aber keine davon sei bisher so weit entwickelt, dass sie kommerziell eingesetzt werden könne, so der NPA.