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30.07.2026rss_feed

Hitzestress im Schweinestall: Worauf es im Sommer bei der Fütterung und Rationsgestaltung ankommt

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Da Schweine kaum schwitzen können und die Verdauung zusätzliche Stoffwechselwärme erzeugt, reduzieren die Tiere bei Sommerhitze bewusst ihre Futteraufnahme. Sinkende Milchleistungen bei laktierenden Sauen sowie Wachstumseinbußen in der Mast sind die unmittelbaren Folgen. Doch wie lässt sich der Stoffwechsel der Tiere in Hitzeperioden gezielt entlasten? Im Interview erklärt Clara-Marie Homeyer, Spezialistin für Fütterung und Nährstoffe der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, warum eine Reduzierung des Rohproteins bei gleichzeitiger Erhöhung des Fettanteils die Wärmebelastung im Körper senkt. Sie zeigt auf, warum das Fütterungs- und Hygienemanagement jetzt angepasst werden muss und warum die Wasserversorgung an extrem heißen Tagen die absolut oberste Priorität auf dem Betrieb hat.


Welchen Einfluss hat Hitze generell auf das Fressverhalten von Sauen und Mastschweinen, und warum ist das so?

Schweine reduzieren bei zunehmender Hitze bewusst ihre Futteraufnahme. Unsere heutigen Schweinegenetiken sind enorm leistungsfähig und produzieren demzufolge beträchtliche Mengen an Stoffwechselwärme, die die Tiere abführen müssen. Allerdings besitzen Schweine nur eingeschränkte Möglichkeiten zur Thermoregulation. Da sie fast keine funktionellen Schweißdrüsen besitzen, erfolgt die Wärmeabgabe hauptsächlich über Atmung und Kontaktkühlung (Boden, Wasser). Die Verdauung erzeugt zusätzliche Stoffwechselwärme. Durch eine geringere Futteraufnahme produzieren die Tiere weniger Wärme und entlasten so ihren Organismus. Das Problem ist, dass mit der sinkenden Futteraufnahme gleichzeitig weniger Energie und Nährstoffe aufgenommen werden. Dadurch nehmen die Mastleistungen ab. Bei säugenden Sauen führt eine reduzierte Futteraufnahme zum Rückgang der Milchleistung. Das Ziel der Fütterung bei zunehmender Hitze ist deshalb nicht, die Tiere zum Fressen zu zwingen, sondern die Futteraufnahme bestmöglich zu unterstützen und die Ration so anzupassen, dass trotz geringerer Futtermengen ausreichend Nährstoffe aufgenommen werden.

 

Was muss grundsätzlich bei der Fütterung von Sauen und Mastschweinen bei hohen Temperaturen beachtet werden? Und welche kurzfristigen Maßnahmen können umgesetzt werden, um das Tierwohl zu steigern?

Hohe Temperaturen können bei Schweinen schnell zu Hitzestress führen. Besonders in Kombination mit einer hohen Luftfeuchtigkeit können die Temperaturen für die Tiere unerträglich werden. Die große Wärmemenge kann aber aufgrund des ungünstigen Verhältnisses von Körperoberfläche zu Körpervolumen nicht gut abgeführt werden. Besonders gefährdet sind säugende Sauen aufgrund ihrer hohen Stoffwechselleistung und Mastschweine in der Endmast, da sie durch ihre hohen Futteraufnahmen und Tageszunahmen viel Stoffwechselwärme produzieren. Die Tiere versuchen deshalb, ihre eigene Wärmeproduktion zu reduzieren. Das erste Anzeichen ist meist eine sinkende Futteraufnahme.

Kurzfristig sollten Betriebe im Rahmen der Fütterung daher vor allem an drei Stellschrauben drehen:

· eine jederzeit ausreichende Versorgung mit sauberem Tränkwasser für alle Tiere sicherstellen

· die Fütterung möglichst in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegen

· die Futterhygiene konsequent gewährleisten, indem häufiger kleinere Futtermengen vorgelegt und Futterreste vermieden werden

 

Wenn die Tage im Sommer richtig heiß werden, sinkt die Futteraufnahme im Stall spürbar. Welche Sofortmaßnahmen beim täglichen Fütterungsmanagement können Landwirte ergreifen, um hitzebedingte Leistungseinbußen zu vermeiden?

Die wichtigste Sofortmaßnahme ist, die Hauptfütterungszeiten in die kühleren Morgen- oder Abendstunden zu verlegen. Außerdem empfiehlt es sich, die Fütterungsfrequenzen zu steigern und mehrmals am Tag kleinere Portionen zu füttern. Dadurch bleibt das Futter schmackhaft und es verbleiben möglichst keine Futterreste im Trog. Gerade im Sommer vermehren sich Bakterien, Hefen und Schimmelpilze deutlich schneller, sodass eine gute Futterhygiene entscheidend ist. Parallel sollte täglich kontrolliert werden, ob alle Tränken funktionieren und die erforderlichen Wassermengen liefern. Die Wasseraufnahme muss den Tieren möglichst einfach gemacht werden.

 

Sollte man die Zusammensetzung des Futters für Sauen und Mastschweine während einer Hitzeperiode kurzfristig anpassen, und worauf kommt es dabei besonders an? Welche schnellen Anpassungen bei der Rationsgestaltung – beispielsweise beim Rohprotein- oder Rohfasergehalt sowie beim Einsatz von Fetten – sind ratsam?

Ja, wenn Hitzeperioden mehrere Tage andauern, kann eine Anpassung der Ration sinnvoll sein.

Damit die Futteraufnahme möglichst nicht sinkt, sollten die Tiere proteinreduziert bei gleichzeitiger Ergänzung mit Aminosäuren versorgt werden. Der Grund ist, dass die Schweine überschüssiges Protein energieaufwendig über die Leber entsorgen müssen. Außerdem kann der Stärkegehalt etwas reduziert und der Fettgehalt moderat erhöht werden. Fett verursacht bei der Verdauung weniger Wärme als Stärke oder Protein und erhöht gleichzeitig die Energiedichte der Ration. So kann das geringere Futteraufnahmevermögen teilweise ausgeglichen werden.

Um den Stoffwechsel der laktierenden Sauen zu entlasten, ist ein Futter mit mehr nicht fermentierbarer Faser (z.B. Weizenkleie) vorteilhaft. Dadurch wird im Dickdarm weniger abgebaut, sodass weniger Wärme entsteht. Spezielle Futterzusatzstoffe können zur Förderung der Darmgesundheit eingesetzt werden. Durch die hohe Stoffwechselbelastung werden vermehrt freie Radikale gebildet, die zu Zellschädigungen führen können. Ergänzungen mit Antioxidantien wie Vitamin C und Vitamin E können deshalb sinnvoll sein. Ebenso ist auf eine ausreichende Versorgung mit Elektrolyten (z.B. Natrium, Kalium) zu achten.

 

 

Gibt es beim Thema Wasserversorgung einfache Dinge, die man im Sommer sofort optimieren sollte? Welche Punkte müssen Betriebsleiter beim Thema Wasser bei Hitzeperioden ganz oben auf ihrer Prioritätenliste haben?

Die Wasserversorgung hat bei Hitze oberste Priorität. Schweine besitzen keine funktionierenden Schweißdrüsen und können ihren Wärmehaushalt nur regulieren, indem sie die Atemfrequenz steigern. Durch das verstärkte Hecheln verlieren sie jedoch zusätzlich Wasser. Schon geringe Einschränkungen der Wasserversorgung wirken sich negativ auf die Futteraufnahme aus.

Deshalb sollten Betriebsleitende:

  • alle Tränken täglich auf Funktion kontrollieren
  • sicherstellen, dass die Tränken für alle Tiere gut erreichbar sind
  • jederzeit sauberes und frisches Wasser anbieten
  • die Durchflussraten regelmäßig messen

 

Als Richtwerte hier Empfehlungen zu den Durchflussraten:

  • 3–5 l/min bei säugenden Sauen
  • 1,5–1,8 l/min bei trächtigen Sauen
  • 0,55–0,65 l/min in der Ferkelaufzucht
  • 0,8–1,2 l/min in der Mast
  • Bei Flüssigfütterung bietet sich an heißen Tagen an, das Wasser : Futter-Verhältnis etwas auszuweiten.