ISN kritisiert: Handelspraktiken unter aller Sau!
EDEKA Nordbayern-Sachsen-Thüringen kündigt fristlos und kurzfristig teils noch langfristig gültige Verträge mit Erzeugern aus Bauernschätze-Programm
mit Verweis auf wirtschaftliche Unzumutbarkeit
des Kostpreis-Modells.
ISN: Diese Handelspraktiken sind eine Frechheit, die Begründung der Hohn.
Nachdem die EDEKA Nordbayern-Sachsen-Thüringen im März/April ihre auf der Basis von Kostpreis-Modellen geschlossenen Verträge mit Schweinehaltern im Bauernschätze
-Programm gekündigt und die Betriebe zum vorzeitigen Umstieg auf ein Vertragsangebot mit einem Zuschlags-Preismodell gedrängt hatte, geht die EDEKA-Regionalgesellschaft nun noch einen Schritt weiter. Sie kündigt im Altvertrag
verbliebenen Betrieben fristlos und äußerst kurzfristig. Nachvollziehbar haben die Betriebe natürlich an den langfristigen Verträgen festgehalten, weil sie auf der Basis dieser Verträge erhebliche Investitionen in den Bau der Tierwohlställe getätigt haben.
Fristlose Kündigung aufgrund angeblicher wirtschaftlicher Unzumutbarkeit
Die EDEKA-Nordbayern-Sachsen-Thüringen kündigt die Verträge nun fristlos und kurzfristig mit der Begründung, dass man sich aufgrund der Marktlage und Wettbewerbssituation, sowie der wirtschaftlichen Unzumutbarkeit des sogenannten Kostpreises
veranlasst sehe, von unserem Recht zur fristlosen Kündigung Gebrauch zu machen.
Zur ergänzenden Einordnung: Während in der Lebensmittelzeitung aktuell der Vertriebschef eines Schlachtunternehmens von bis zu 30 % höheren Spannen verglichen mit 2020 beim Fleischverkauf im Lebensmitteleinzelhandel berichtet, fahren die deutschen Schweinehalter gerade bei jedem Schwein, das sie erzeugen, rund 60 € Verlust ein.
Staack: Das Vorgehen der EDEKA Nordbayern-Sachsen-Thüringen ist eine Frechheit
Das Vorgehen zeigt, wie schamlos Marktakteure gegenwärtig ihre dominante Marktposition zu Lasten der Bauern ausnutzen!
, macht ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack sehr deutlich und erläutert weiter: Man muss sich das mal vor Augen führen: Erst setzt man von Seiten des Handelshauses ein sog. Mehrwert-Programm auf und lockt die Bauern mit langfristigen Verträgen und ohne Frage lukrativen Preismodellen. Die tierhaltenden Betriebe haben dann auf den langfristigen Vertrag im wörtlichen Sinne gebaut und z.T. sehr viel Geld investiert. Dann stellt das Handelshaus aber fest, dass das alles doch ein wenig zu teuer für deren Geschmack wird und lässt die Betriebe fallen, wie eine heiße Kartoffel. Als Kündigungsgrund dann auch noch ‚wirtschaftliche Unzumutbarkeit‘ des selbst mitentwickelten Kostpreis-Modells anzuführen ist der Hohn schlechthin. Und während es auf Seiten des Handelshauses lediglich um das Verfehlen der selbst gesteckten Margenziele geht, drückt man die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe, denen das Wasser aus wirtschaftlicher Sicht angesichts der gegenläufigen desaströsen wirtschaftlichen Situation in der Schweinehaltung ohnehin bis zum Hals steht, komplett unter Wasser!
Das Signal, dass damit in die Branche ausgesendet wird, ist verheerend: Das Handelshaus untergräbt mit den jetzt ausgesprochenen Kündigungen das in den zurückliegenden Jahren aufgebaute Vertrauen in sämtliche Lieferverträge. Die jetzt ausgesprochenen Kündigungen sind dabei zugleich offenkundig unberechtigt und unwirksam. Natürlich werden wir unsere betroffenen Mitglieder im Sinne einer Musterklage bis zum Ende unterstützen!
Ungeachtet der rechtlichen Auseinandersetzung dürfen wir auch mit Blick auf die gerade auf Bundesebene startenden Konsultationen zur neuen Verordnung zur gemeinsame Marktorganisation, bei der es genau um die Gestaltung von Verträgen geht, gespannt sein, als wie fair diese Handelspraktiken gesehen werden.
Wir sagen: Diese Handelspraktiken sind unter aller Sau!
Unabhängig von dem oben dargestellten Kündigungsfall wird aktuell viel über die Gestaltung der Lieferverträge diskutiert. Hier gibt es eine Reihe von Punkten mit Änderungsbedarf in den von verschiedenen Stellen angebotenen oder laufenden Verträgen. Wir sind gemeinsam mit den anderen landwirtschaftlichen Organisationen - u.a. dem Deutschen Bauernverband und dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband an dem Thema dran. Bitte beachten Sie auch, dass wir für ISN-Mitglieder am 29.09.2026 hierzu ein Seminar anbieten.

