ISN-Mitgliederversammlung: Globale Marktverwerfungen machen Schweinehaltern schwer zu schaffen
Damme/Münster, 22.06.2026. Deutschlands Schweinehalter erleben eine paradoxe und wirtschaftlich desaströse Situation: Mitten in der Grillsaison und parallel zur Fußball-WM bricht der Schweinemarkt ein. Statt des erwarteten Sommerhochs stürzt die Basisnotierung auf ein ruinöses Niveau von 1,50 €/kg Schlachtgewicht (SG) ab und beschert Ferkelerzeugern und Schweinemästern herbe Verluste von zusammen rund 50 Euro pro Tier – und das, obwohl das Überangebot an Schweinefleisch in erster Linie gar nicht hierzulande, sondern im europäischen Ausland liegt.
Auf ihrer heutigen Mitgliederversammlung in Münster blickt die ISN auf die Situation in der Schweinehaltung und erläutert die Gründe für die aktuell schwierige Marktlage. Deutlich wird, dass sich die Betriebe trotz weit verbreiteter Abnahmeverträge kaum gegen die globalen Marktrisiken absichern können. Viele steigen deshalb aus. Aufgrund der geänderten Strukturen muss aus Sicht der ISN das System der Preisbildung schnellstens angepasst werden.
Positiv bewertet die ISN die Aktivitäten der Bundesregierung im Rahmen ihrer Exportstrategie und die im Koalitionsvertrag festgelegte Einführung einer Risikoausgleichsrücklage.
Gleich zu Beginn der Versammlung fand der Vorsitzende Christoph Selhorst deutliche Worte zur aktuellen Marktlage und zog einen plakativen Vergleich: Wie beim Wetter haben wir Wechsel zwischen Hochs und Tiefs schon oft erlebt. Außergewöhnlich ist es aber, wenn zu dieser Jahreszeit frostige Wintertemperaturen herrschen. Denn genauso verhält es sich gerade am Schweinemarkt. Ein Preissturz mitten in der Grillsaison, sogar mit Fußball-WM – und das bei deutlich reduzierten Schweinebeständen. Eigentlich wären steigende Preise angesagt. Wir stellen fest, dass die schlechten Preisphasen überhandnehmen und die Ausschläge beim Schweinepreis extremer und unkalkulierbarer werden.
Wenn ein Kettenglied reißt, zerreißt die ganze Kette
Die aktuelle Situation in der Schweinehaltung ist deshalb so bedrohlich, weil die Betriebe gleichzeitig viele Anforderungen umzusetzen haben. Viele Schweinehalter entscheiden sich in dieser Situation für den Ausstieg. Selhorst: Unser Stück vom Kuchen in der Erzeugerkette muss so groß sein, dass wir davon auch satt werden. Wenn ein Kettenglied reißt, verliert die ganze Kette ihren Halt. Dann verlieren auch die vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche ihre Basis – und auch der Lebensmittelhandel kann seine hochgesteckten Ziele dann nicht mehr erreichen.
Exportstrategie und Risikoausgleichsrücklage sind richtig und wichtig
Ausdrücklich begrüßt der ISN-Vorsitzende die Exportstrategie der Bundesregierung: Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer setzt hier den richtigen Fokus. Die Exportstrategie ist das Gebot der Stunde, denn wir müssen schließlich das ganze Schwein vermarkten. Seit dem ersten Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland sind wichtige Drittlandsmärkte für deutsches Schweinefleisch gesperrt. Sie wären ein wichtiges Ventil, um Übermengen abzubauen.
Auch die im Koalitionsvertrag angekündigte Risikoausgleichsrücklage ist ausdrücklich zu begrüßen
, so Selhorst. Gerade jetzt müssen wir Steuern für zurückliegende gute Jahre nachzahlen. Das entzieht den Betrieben mitten in der Krise die nötige Liquidität. Die Risikoausgleichsrücklage muss schnell kommen.
Strukturen haben sich verändert: System zur Preisbildung anpassen
In Richtung der Wirtschaftsbeteiligten drängt die ISN auf eine Anpassung des Systems der Preisbildung für die erzeugten Schweine, da sich die Strukturen und Lieferbeziehungen in der Wertschöpfungskette grundlegend verändert haben. ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack verdeutlicht das Problem: Ohne Frage: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis und nicht die Kosten. Angesichts einschneidender globaler Ereignisse, beispielsweise Kriege oder Tierseuchen, kommt es aber zu immer mehr extremen Verwerfungen an den Märkten. Die deutschen Schweinehalter können sich gegen diese extremen Erlösschwankungen aber kaum absichern – und das, trotz ihrer im europäischen Vergleich hohen Produktionskosten. Abgesehen von der insgesamt zu geringen Marge für die Erzeuger, bekommen die Betriebe erhebliche wirtschaftliche Probleme, weil das finanzielle Risiko, das sie selbst kaum beeinflussen können, zu hoch geworden ist. Trotz weit verbreiteter Abnahmeverträge können sie nur unzureichend darauf reagieren. Bisherige Preisbildungssysteme werden den veränderten Strukturen nicht mehr gerecht und müssen deshalb erweitert bzw. angepasst werden.

