Mischfutterproduktion steigt erneut – DVT beklagt Importabhängigkeit und Bürokratie
Die deutsche Mischfutterproduktion ist 2025 erneut gestiegen. Wachstum zeigte sich bei fast allen Tierarten, Mischfutter für Schweine blieb mit einem Anteil von 37% das stärkste Segment. Trotz steigender Produktion bereiten der Branche die aktuellen geopolitischen Risiken sowie die hohe Importabhängigkeit bei Vitaminen und Aminosäuren Sorgen. Gleiches gilt für die steigenden regulatorischen Vorgaben und die zunehmende Bürokratie. Der DVT fordert deshalb verlässliche Rahmenbedingungen, berichtet Agra Europe.
Deutschlands Mischfutterproduzenten haben den 2021 bis 2023 verzeichneten Abwärtstrend offenbar hinter sich gelassen. Nach Angaben des Deutschen Verbandes Tiernahrung (DVT) legte die Mischfutterproduktion im Kalenderjahr 2025 das zweite Mal in Folge zu. Die Gesamtmenge belief sich auf rund 22,51 Mio. Tonnen, womit der Vorjahreswert um 643.000 Tonnen oder 2,9% übertroffen wurde. Mehr Mischfutter wurde laut Verbandspräsident Cord Schiplage für nahezu alle Tierarten produziert.
Leichtes Plus im Schweinesegment
Besonders deutlich war 2025 der Zuwachs beim Rinderfutter, und dies bei weiter sinkenden Bestandszahlen. Erzielt wurde ein Plus von 250.000 Tonnen beziehungsweise 3,9% auf 6,7 Mio. Tonnen. Der größte Anteil der Mischfutterproduktion entfiel mit rund 37% erneut auf Schweinefutter; hier legte die Erzeugung um 1,6% auf 8,4 Mio. Tonnen zu. Bei den Legehennen gab es einen Anstieg um 4,0%. Bei Mineralfuttermitteln setzte sich Schiplage zufolge die positive Entwicklung fort. Die Produktion wurde um 5,3% auf 644.000 Tonnen ausgeweitet.
Preissteigerungen durch geopolitische Konflikte möglich
Verbandspräsident Schiplage lenkte den Blick auf die aktuellen geopolitischen Entwicklungen. Internationale Konflikte und politische Spannungen beeinflussten zunehmend die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Futtermittelwirtschaft und wirkten sich auf Energiepreise, Logistik und Lieferketten aus. Vor allem Produkte, die in Asien hergestellt und über internationale Seehandelsrouten nach Europa transportiert würden, könnten bei einer weiteren Eskalation von Verzögerungen oder Preissteigerungen betroffen sein, warnte der DVT-Präsident. Das bringe für die Mischfutterhersteller zusätzliche Unsicherheit bei der Versorgung mit wichtigen Zusatzstoffen wie Vitaminen oder Aminosäuren mit sich.
Importabhängigkeit hohes Risiko
Ohnehin sei die Abhängigkeit der EU vom Import wichtiger Zusatzstoffe viel zu hoch, beklagte der DVT-Präsident. Deshalb rief er die EU-Kommission dazu auf, Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität einer Produktion in Europa zu ergreifen. Ein Mangel an Vitaminen oder Aminosäuren könnte die Tiergesundheit beeinträchtigen, Leistung und Reproduktion verringern und langfristig die europäische Produktion von tierischen Lebensmitteln gefährden
, verdeutlichte Schiplage. Bei der Aminosäure Lysin müssten mittlerweile 95% der benötigten Menge importiert werden; bei Vitaminen seien es je nach Produkt zwischen 60 und mehr als 70%.
Vorgaben und Bürokratie belasten die Branche
Sorgen bereiten der Futtermittelwirtschaft aber auch regulatorische Vorgaben. Das betreffe beispielsweise europäische Nachhaltigkeitsregelungen wie die Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) sowie verschiedene Berichtspflichten im Bereich Nachhaltigkeit, so der DVT. Für die Hersteller habe dies zusätzliche Anforderungen an Dokumentation, Rückverfolgbarkeit und Lieferkettenmanagement zur Folge. Die Europäischen Verbände der Futtermittelindustrie (FEFAC) schätzten die zusätzlichen Kosten für die Beschaffung von EUDR-konformem Soja im Jahr 2027 auf rund 1,65 Mrd. Euro.
Der DVT sei jedoch gegen eine erneute Verschiebung der Anwendung der Verordnung, stellte Schiplage klar. Stattdessen müssten die noch bestehenden Probleme konsequent und zeitnah gelöst werden, damit die EUDR planbar, praktikabel und rechtssicher umgesetzt werden könne und zugleich das gemeinsame Ziel entwaldungsfreier Lieferketten erreicht werde. An die Politik appellierte der Verband, die Regelwerke praxisnah auszugestalten und die bürokratischen Belastungen zu reduzieren. Ziel müsse es sein, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten und gleichzeitig die Anforderungen an Nachhaltigkeit und Transparenz umzusetzen.

