Ruinöse Schweinepreise zum Jahresbeginn

Schweinehalter schreiben tiefrote Zahlen: Die VEZG-Notierung für Schlachtschweine fiel heute um 15 Cent auf 1,45 €/kg SG
Überhänge zum Jahreswechsel, ein reichlich versorgter EU-Fleischmarkt und die jährlich zu sehende schwache Fleischnachfrage zu Jahresbeginn haben zu hohem Preisdruck geführt. Die VEZG-Notierung für Schlachtschweine fällt heute auf 1,45 €/kg SG – Schweinehalter schreiben tiefrote Zahlen. Derzeit fehlen Schweinehaltern über 50 € je Schwein.
ISN: Angesichts des schleppenden Fleischabsatzes sind gerade zu Jahresbeginn deutlich mehr Absatzimpulse nötig. Speziell die Absatzkanäle Außer-Haus-Verzehr und Verarbeitung müssen es dem Lebensmitteleinzelhandel gleichtun und auf deutsche Herkunft beim Schweinefleisch setzen. Aber auch die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels sollten ihre Strategie überdenken, in solch schwierigen Marktphasen, Anti-Fleisch-Aktionswochen
auszurufen.
Am heutigen Mittwoch gab die VEZG-Notierung für Schlachtschweine um 15 Cent auf 1,45 €/kg SG nach. Die ungünstige Lage der Feiertage am Jahreswechsel 2025/26 führte in den beiden vergangenen Wochen zu ausgefallenen Schlachttagen. Dadurch verzögerte sich die Vermarktung schlachtreifer Tiere und es entstand ein Überhang am Lebendmarkt. Der Abbau der Überhänge dürfte nach heutiger Einschätzung jedoch deutlich schneller verlaufen als zu Beginn des Jahres 2025. Anders als zum vorigen Jahreswechsel konnten die Schlachtungen in den Wochen vor Weihnachten diesmal spürbar ausgeweitet werden. Schweine wurden vorgezogen und die Schlachtgewichte gingen in den letzten Wochen vor den Feiertagen stärker zurück als üblich. Insgesamt lagen die Schlachtgewichte leicht unter dem Vorjahresniveau. Zudem hatten viele Mäster die Erfahrungen vom vergangenen Jahreswechsel im Blick und weniger Ferkel eingestallt, die rund um die Feiertage schlachtreif geworden sind bzw. werden. Die Ferkelimporte aus den Niederlanden lagen im Herbst 2025 deutlich unter dem Vorjahresniveau. Außerdem werden aktuell weniger Schlachtschweine aus den Niederlanden und Belgien zur Schlachtung nach Deutschland importiert als noch vor einem Jahr.
Preisdruck am Fleischmarkt
Für die aktuelle Situation am Schweinemarkt ist neben dem feiertagsbedingten Angebotsüberhang aber insbesondere auch der massive Preisdruck am Fleischmarkt ausschlaggebend. Der Jahresstart am Fleischmarkt verläuft traditionell schwach und in diesem Jahr kommt zusätzlicher Druck aus dem EU-Ausland hinzu. Chinesische Strafzölle belasten den Drittlandexport, und auch der ASP-Ausbruch in Spanien schränkt die Absatzmöglichkeiten in Drittländern ein. In der Folge verbleibt mehr Ware im EU-Binnenmarkt, für die Absatzwege gefunden werden müssen – in der Regel über deutliche Preisnachlässe bei diversen Teilstücken. Dies hatte bereits vor Weihnachten zu deutlichen Rückgängen der Schlachtschweinenotierungen in wichtigen Erzeugerländern wie Spanien, den Niederlanden, Dänemark und Frankreich geführt, während sich die deutsche Notierung zum Jahresende noch stabil halten konnte.
Umgang mit Anti-Fleisch-Wochen
überdenken
Der momentan reichlich versorgte EU-Markt trifft nun auf eine Phase schwieriger Fleischgeschäfte. Im Januar werden mengenmäßig meist 10–15 % weniger Schweinefleisch als im Jahresschnitt abgesetzt, gegenüber dem konsumstarken Dezember beträgt der Rückgang häufig 20–30 %. Eine Rolle spielt dabei auch der Veganuary, eine Initiative, die zu einer veganen Ernährung speziell im Januar aufruft. Weite Teile des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) unterstützen diese Aktion. Das hemmt den Fleischabsatz zusätzlich in einer Phase, in der der Schweinemarkt ohnehin stark unter Druck steht.
Auf der einen Seite auf deutsche Herkunft beim Fleisch zu setzen und gleichzeitig das deutsche Schweinefleisch in der schwierigsten Absatzphase des Jahres auf das Nebengleis zu stellen, passt nicht zusammen. Aktuell fehlen den deutschen Schweinehaltern mehr als 50 € am Schwein – das ist ruinös für jeden Betrieb. Werden so Strukturen erst einmal zerstört, fehlen sie später auch für die hohen Unternehmensziele der Handelsunternehmen hinsichtlich der Haltung und Herkunft von Schweinen.
, ordnet ISN-Geschäftsführer die aktuelle Situation ein und folgert weiter: Konsequent wäre es, wenn die betreffenden Handelsunternehmen diesen Widerspruch schnell ausräumen. Gerade zu Jahresbeginn sind Absatzimpulse für Schweinefleisch statt Anti-Fleisch-Wochen dringend notwendig.
Dr. Staack stellt aber auch klar: Ausdrücklich nicht gemeint sind dauerhafte Preissenkungen von Schweinefleischprodukten in der Ladentheke auf dem Rücken der Erzeuger, mit denen sich bereits einzelne Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (wie z.B. aktuell Aldi Süd) als Preisführer profilieren wollen. Im Gegenteil: Wer höchste Ansprüche an die Erzeuger stellt, darf diese gerade in schwierigen Marktphasen preislich nicht fallen lassen. Was wir brauchen, sind ganz gezielt gesetzte Werbeaktionen, mit denen der Fleischabsatz spürbar befeuert wird.
Außer-Haus-Verzehr und Verarbeitung müssen sich zum Fleisch aus Deutschland bekennen
Natürlich erkennen wir ausdrücklich an, dass verschiedene Unternehmen aus dem Lebensmitteleinzelhandel sich sehr stark zur Herkunft Deutschland beim Schweinefleisch bekennen
, so ISN-Geschäftsführer Staack. Er fordert: Unternehmen aus dem Außer-Haus-Verzehr (mit Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung) und der Verarbeitung, müssen es denen aus dem Lebensmitteleinzelhandel erst einmal gleichtun und auf deutsche Herkunft beim Schweinefleisch setzen. Das ist lange überfällig! Denn die Mengen an Schweinefleisch, die in diese Absatzkanäle geliefert werden, sind erheblich.
