Schweinemarkt: Die Kette zerreißt
Ein Kommentar von ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack:
Wenn der Markt nicht läuft, dann wird in der Kette nach unten getreten – diese Erfahrung ist leider nicht neu, trifft aktuell aber wieder mit brachialer Wucht Schweinemäster und Ferkelerzeuger. Dabei läuft der Markt hierzulande gar nicht einmal schlecht. Die Fleischeinkäufe in den Einkaufsstätten in Deutschland liegen in den ersten Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr im Plus, die Schlachtschweine können problemlos geschlachtet werden. Die Schlachtgewichte sinken aktuell sogar von Woche zu Woche – natürlich auch durch die Hitze bedingt, aber auch ein klares Indiz, dass der Abfluss der Schlachtschweine nicht stockt.
Und doch erleben wir einen ruinösen Schlachtschweinepreis von 1,40 € je kg Schlachtgewicht und einen ebenso ruinösen Ferkelpreis von 30 Euro. Der Druck kommt aus Europa – weil die europäischen Märkte durch spanisches Schweinefleisch geflutet werden, das ist klar. Aber es kann doch nicht sein, dass dieses Problem allein auf die Schweinehalter hierzulande abgewälzt wird. Bei dem aktuell hohen Kostenniveau verlieren hiesige Ferkelerzeuger und Schweinemäster zusammen 60 € am Schwein. Das können Schweinehalter nicht lange durchhalten!
Wie wir schon auf unserer Mitgliederversammlung im Juni in Münster diskutiert haben, brauchen wir neue oder erweiterte Mechanismen bei der Preisbildung, die die unkalkulierbaren Risiken der Marktschwankungen für die Schweinehalter eindämmen.
Wieso werden die Verluste in der Kette allein auf die Schweinehalter abgewälzt? Die Kette Schweinefleisch zerstört sich selbst, wenn sie das Kettenglied Erzeuger reißen lässt. Genau das passiert gerade. Viele Ferkelerzeuger haben sich ohnehin schon dazu entschieden, die Vorgaben der Tierschutznutzierhaltungsverordnung nicht mehr umzusetzen, und steigen aus. Die bis jetzt noch Unentschlossenen entscheiden sich nun zum großen Teil ebenfalls für den Ausstieg, weil sie kein Licht am Ende des finanziellen Tunnels sehen. Und auch in der Schweinemast sieht es düster aus. Die Liquidität ist am Tiefpunkt, und Geld für die Weiterführung und notwendige Entwicklung der Betriebe fehlt.
Wenn die heimische Erzeugung wegbricht, sind auch die hochgesteckten Ziele, die sich die Fleischabnehmer in der Kette gesetzt haben, dahin. Jetzt ist es an der Zeit zu zeigen, dass diese Ziele nicht nur Lippenbekenntnisse sind. Auskömmliche Erzeugerpreise – von denen wir aktuell meilenweit entfernt sind – müssen deshalb im Interesse der gesamten Kette stehen. Die Preisschraube muss endlich wieder in die andere Richtung gedreht werden.

