Sind Langfristpreise die Lösung für den Schweinemarkt?
Dass sich bei Preisfindung, Preismodellen und vertraglichen Vereinbarungen etwas ändern muss, ist unbestritten. In der Diskussion werden die Themen aber oft vermischt. Weniger Notierungsänderungen führen zu größeren Preissprüngen. Ein Halbjahrespreis macht keinen Sinn, wenn er nur die Verlängerung des Notierungszeitraumes darstellt. Kontrakte, Glättungsmodelle o.Ä. müssen dagegen einzelbetrieblich bewertet werden.
Schon auf der diesjährigen ISN-Mitgliederversammlung im Juni ist deutlich geworden, dass sich hinsichtlich der Preisfindung und Preismodelle am Schlachtschweinemarkt etwas ändern muss, weil sich die Strukturen und Absatzkanäle verschoben haben. Seitdem wird eine teils hitzige Diskussion um Margen, Notierungsfrequenz, Verträge u.v.m. geführt – natürlich auch, weil die aktuellen Preise seit geraumer Zeit desaströs sind und die Liquidität auf den Betrieben zum immer größeren Problem wird.
Themen nicht vermischen
ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack ordnet ein: Klar ist, dass wir Änderungen bei der Preisbildung und den Preismodellen brauchen. Die Bereitschaft hier gemeinsam etwas auf Augenhöhe zu entwickeln ist in jedem Fall auf der Erzeugerseite vorhanden. Wir dürfen aber nicht alles durcheinanderwerfen, denn letztendlich reden wir über drei Themen: Über die Preisfindung, über Preismodelle und über den Inhalt von Verträgen.
Staack erläutert dazu: Wir brauchen eine unabhängige Preisfindung, die den Puls des Marktes möglichst genau abbildet. Das, was wir mit dem VEZG-Preis haben, ist wertvoll. Trotzdem ist es richtig, sich angesichts der Veränderungen in den Markt- und Absatzstrukturen darüber Gedanken zu machen, durch welche Instrumente man diese unterstützen kann. Die Preismodelle satteln auf der Preisfindung auf – hier ist der Gestaltungsspielraum groß. Und bei den Verträgen geht es darum, dass die Mindestanforderungen, die über das Agrarmarktorganisationen- und Lieferkettengesetz und das Gesetz über die gemeinsame Marktorganisation festgelegt sind, endlich umgesetzt werden. Das mag einzelnen Schlachtunternehmen nicht gefallen, aber das Recht gibt die Richtung klar vor.
Wie oft sollte notiert werden?
Alles spricht dafür, dass eine häufige Preisnotierung den Markt besser abbildet und für die Schweinehalter vorteilhaft sein kann
, stellt auch ISN-Marktexperte Klaus Kessing fest. Wird die Notierung seltener angepasst, kann das kurzfristig zwar mehr Preissicherheit bieten. Entwickelt sich der Markt in der Zwischenzeit aber weiter, können die Anpassungen zum nächsten Notierungstermin dafür umso größer ausfallen – und zusätzliches Risiko in die Vermarktung bringen
, erklärt Kessing. Das zeige sich sowohl im europäischen Vergleich als auch in Deutschland.
Die größten Sprünge in Deutschland
Der Blick auf die Notierungen der für die Schweinehaltung wichtigsten EU-Staaten zeigt für den Zeitraum 2025 bis heute: Deutschland hatte die mit Abstand wenigsten Änderungen der Wochennotierungen und den mit 10,1 Cent je kg SG mit Abstand höchsten Mittelwert für den Änderungsbetrag. So lagen Polen, Spanien und Frankreich lediglich um 2 bis 3 Cent und Dänemark und die Niederlande nur um 6 Cent je kg SG. Das ist teilweise systembedingt, weil sich in Frankreich und Spanien die Notierung in einer Woche lediglich um 5 bzw. 6 Cent je kg SG verändern darf.

Ein Halbjahrespreis, der nur den Notierungszeitraum verlängert, würde riesige Preissprünge verursachen © ISN
Weniger, aber größere Sprünge seit Corona
Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn man den zeitlichen Notierungsverlauf in Deutschland betrachtet. So waren vor der Corona-Zeit deutlich mehr Notierungsänderungen zu verzeichnen, als das seit 2020 der Fall ist. Gleichzeitig hat sich die durchschnittliche Höhe der Preisänderungen und damit das Vermarktungsrisiko deutlich erhöht.
Und was ist mit dem Halbjahrespreis?
Bevor wir über die Auswirkungen eines Halbjahrespreises nachdenken, gilt es erst einmal festzulegen, was genau damit gemeint ist
, macht ISN-Marktexperte Kessing deutlich. Er erklärt: Wenn es sich um die alleinige Fixierung der Notierung für ein halbes Jahr geht, kann das nicht zielführend sein. Denn in dieser Zeit kann sich der Markt derart wegentwickeln, dass zu den Halbjahreswechseln riesige Preissprünge von zig Cent entstehen. Schließlich laufen parallel mindestens die europäischen Notierungen weiter am Markt entlang.
Anders einzuordnen sind einzelbetriebliche Halbjahreskontrakte oder längerfristige Glättungsmodelle, die auf dem Basispreis aufsetzen. Hier kann dann der einzelne Schweinehalter entscheiden, ob er sich darauf einlassen will
, so die Einordnung von Klaus Kessing. Er rät: Fragen Sie genau nach, was gemeint ist, wenn Jemand von Halbjahrespreisen spricht.


