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21.04.2026rss_feed

Verbände fordern Nationales Sonderprogramm Sauenhaltung

Header Sonderprogramm Sauenhaltung

Bundesverband Rind und Schwein (BRS), Deutscher Bauernverband (DBV), Deutscher Raiffeisenverband (DRV) und ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) fordern ein nationales Sonderprogramm Sauenhaltung. Ohne gezielte finanzielle Unterstützung drohen ein dramatischer Strukturwandel und der Verlust wesentlicher Teile der deutschen Ferkelerzeugung.


Haltungsvorgaben weit über EU-Niveau

Mit der Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) vom 3. Juli 2020 sind Sauenhalter in Deutschland verpflichtet, bis zum 9. Februar 2029 das Deckzentrum auf vollständige Gruppenhaltung mit mindestens 5 m² Platz je Sau umzustellen. Im Abferkelbereich gelten ab dem 9. Februar 2036 Bewegungsbuchten mit mindestens 6,5 m² Fläche und einer Fixierungszeit von maximal fünf Tagen. Beide Vorgaben gehen deutlich über die Standards wichtiger europäischer Wettbewerber hinaus.

 

Rund 4.000 Euro Investitionsbedarf je Sau – ohne Erlöszuwachs

Die notwendigen Umbauten erfordern im Mittel rund 4.000 Euro je Bestandssau. Betriebe mittlerer Größe stehen damit vor Einzelinvestitionen von rund 1,5 Mio. Euro – ohne Aussicht auf höhere Erlöse oder Effizienzgewinne. Häufig lässt sich die Umsetzung nur durch eine Bestandsabstockung realisieren, was dem staatlichen Ziel der Ernährungssicherung direkt widerspricht. Ohne Unterstützung droht die Ferkelerzeugung ins Ausland abzuwandern.

 

Eckpunkte für ein Sonderprogramms

Die vier Verbände fordern ein einheitliches nationales Programm mit folgenden Kernelementen:

Zugang für alle Sauenhalter: Unabhängig von Unternehmensform, Einkommens-, Viehbesatz- und Größenbegrenzungen.

Keine Bestandsobergrenze: Eine Bestandserweiterung darf bei Inanspruchnahme der Förderung nicht ausgeschlossen sein.

200 Mio. Euro jährlich bis 2036: Mit der Möglichkeit, Jahresrestbudgets in Folgejahre zu übertragen.

Fördersatz von rund 50 %: Mit Staffelungsmöglichkeit abhängig vom Investitionsvolumen.

Förderzweck: Strukturerhalt: Keine weiteren Zusatzauflagen; flexible Umsetzung einzelner Haltungsbereiche ist möglich.

Einfache Antragstellung: Bürokratiearmes Verfahren, das auch kurzfristig umsetzbar ist.

 

Ohne Sonderprogramm droht Strukturbruch

Die vier Verbände betonen: Ein Flickenteppich aus unterschiedlichen Landesförderungen wäre wirkungslos. Nur ein nationales Sonderprogramm sichert Planungssicherheit und verhindert, dass der deutsche Alleingang bei den Haltungsanforderungen zum Treiber eines massiven Strukturbruchs in der Sauenhaltung wird.

 

Die ISN meint:

Die Datengrundlage für das geforderte Sonderprogramm lieferte eine ISN-Spezialabfrage aus dem November/Dezember 2025 deren Ergebnis sehr eindeutig ist: Auf die deutsche Ferkelerzeugung kommt danach ein Gesamtinvestitionsbedarf von über 4 Mrd. Euro zu. Fast die Hälfte der Betriebe steht beim Abferkelstall vor dem Aus, weitere 30 % sind unentschlossen – nur 21 % haben die Weichen auf Weitermachen gestellt.

Ohne ein adäquat ausgestattetes nationales Sonderprogramm wird die Ausstiegswelle in der Ferkelerzeugung dramatisch werden. Ein Verlust der deutschen Ferkelerzeugung zugunsten von Ferkelimporten macht alle Bemühungen zu mehr Tierwohl hierzulande zunichte und bedeutet gleichzeitig den Verlust wertvoller Strukturen in der Erzeugerkette und den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen. Die riesigen Investitionssummen können Ferkelerzeuger allein nicht stemmen – sie bekommen dadurch keine Aussicht auf höhere Erlöse, Dr. Torsten Staack, ISN-Geschäftsführer.

Ein nationales Sonderprogramm muss deshalb jetzt kommen – bundeseinheitlich, unbürokratisch und ohne Zusatzauflagen. Was jetzt wegbricht, kommt nicht zurück.

 

Zur ISN-Spezialabfrage: ISN-Presseinfo: Deutsche Sauenhalter müssen über 4 Milliarden Euro investieren