VEZG-Notierung fällt um 10 Cent auf 1,50 €
Die deutsche Schweinehaltung rutscht immer weiter in die roten Zahlen. Spanisches Schweinefleisch sorgt für Übermengen am EU-Markt. Während die großen Unternehmen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels weitestgehend zur heimischen Erzeugung stehen, entziehen sich Großhandel und Außer-Haus-Verpflegung überwiegend ihrer Verantwortung. Günstigere Importware, statt heimisches Schweinefleisch, führt zum Wegbrechen der hiesigen Erzeugung!
Es ist ein weiterer schwerer Rückschlag für Deutschlands Schweinehalter mitten in der Grillsaison: Die VEZG-Notierung knickt am heutigen Mittwoch um 10 Cent ein und sackt auf ein desaströses Niveau von 1,50 €/kg SG ab. Nach dem Rückgang von Anfang Mai ist dies der nächste schwere Schlag in einer Phase, in der saisonal üblicherweise sogar ein Aufschwung zu erwarten wäre. Die heimische Schweinehaltung rutscht damit noch tiefer in die existenzbedrohende Verlustzone. In der Summe aus Ferkelerzeugung und Schweinemast entstehen nun Verluste von rund 50 Euro pro Tier – ein ähnlich katastrophales Defizit wie zur Corona-Zeit.
EU-Markt überversorgt
Dass sich der Schweinemarkt trotz Grillsaison und eines saisonal rückläufigen Lebendangebots so schwach präsentiert, ist extrem ungewöhnlich. Das grundsätzliche Problem liegt dabei im EU-Markt, der unter einer deutlichen Überversorgung leidet. Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Spanien und die darauffolgenden Handelsbeschränkungen wichtiger asiatischer Drittländer setzen den gesamten europäischen Fleischmarkt massiv unter Druck. Dass diese Exportstopps den Kontinent so schwer erschüttern, liegt an der enormen Marktbedeutung Spaniens: Das Land hat seine Schweinebestände jahrelang ausgebaut, Deutschland bereits 2021 als größten Schweinefleischproduzenten abgelöst und im vergangenen Jahr mit 5,25 Millionen Tonnen erzeugtem Schweinefleisch ein neues Rekordhoch verzeichnet.
ASP hält spanisches Fleisch in der EU
Dementsprechend werden die Verschiebungen der spanischen Warenströme durch die ASP-Restriktionen allein aufgrund der Menge nun zum Problem für ganz Europa. Die spanischen Drittlandsexporte brachen im ersten Quartal 2026 um 15,7 % im Vergleich zum Vorjahr auf 318.000 t ein. Diese Fleischmengen mussten im EU-Binnenmarkt platziert werden, wodurch die spanischen Exporte in andere EU-Staaten im selben Zeitraum um über 20 % auf rund 417.000 t explodierten. Da Deutschland rund 80 % seiner Exporte EU-intern absetzt, spüren die hiesigen Erzeuger den Druck unmittelbar. Hinzu kommt, dass die Flaute in der heimischen Gastronomie den Außer-Haus-Verzehr spürbar dämpft.

Während die großen Unternehmen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels weitestgehend zur heimischen Erzeugung stehen, entziehen sich Großhandel und Außer-Haus-Verpflegung überwiegend ihrer Verantwortung.
Lebensmitteleinzelhändler zeigen Flagge
In dieser Phase extremen Drucks sind die Abnehmer gefordert, die deutsche Landwirtschaft durch den Kauf von deutscher Ware partnerschaftlich zu stützen. Wie Transparenz und die Unterstützung der heimischen Landwirtschaft funktionieren, zeigen viele Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) seit einiger Zeit immer stärker. LEH-Unternehmen werben aktiv mit deutscher Herkunft und setzen auf klare Kennzeichnungen wie das Siegel GUTES AUS DEUTSCHER LANDWIRTSCHAFT
der ZKHL – im Supermarkt wird die deutsche Herkunft (5xD) gezielt als Qualitätsmerkmal beworben.
Großhandel und Außer-Haus-Versorger entziehen sich der Verantwortung
Der Großhandel hingegen, der als Hauptlieferant für Gastronomie, Kantinen und Großabnehmer fungiert, entzieht sich – wie seine genannten Kunden – fast überall dieser Verantwortung und lassen Herkunft des Fleisches oft im Dunklen. Ein Blick in die aktuellen Werbemaßnahmen führender Großhandelsunternehmen sorgt für großes Unverständnis: Viele Unternehmen verzichten aktuell fast völlig auf transparente Herkunftsangaben. Bei einer aktuellen Stichprobe findet sich nur selten ein klarer Hinweis auf deutsche Herkunft. Bestenfalls ist vage von deutscher Zerlegung
die Rede – was über Geburts-, Mast- und Schlachtort des Tieres nichts aussagt. Bei anderen Produkten wird die Herkunft lediglich mit EU
deklariert, das QS-Prüfsiegel fehlt ganz oder Angaben fehlen selbst bei beworbener Premiumauswahl
. Die logische Schlussfolgerung: Dieses Fleisch stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus heimischen Ställen. Wie viele spanische Schnitzel liegen bereits in der deutschen Gastronomie auf den Tellern?
Verantwortung bleibt trotz schwieriger Lage der Gastronomie
Auch wenn die aktuelle Situation in der Gastronomie alles andere als einfach ist, so darf auch die Außer-Haus-Verpflegung als bedeutender Abnehmer für Schweinefleisch die heimische Erzeugung nicht ignorieren. Schließlich haben Gastronomiebetriebe doch auch durch die Senkung der Mehrwertsteuer Unterstützung bekommen, um die heimische Wirtschaftskraft zu erhalten. Wenn man sich die offensive und erfolgreiche Werbung im LEH für die deutsche Herkunft anschaut, gibt es für den Großhandel und die Außer-Haus-Verpflegung auch gar keine Ausreden mehr.
Als ISN fordern wir alle Beteiligten in der Kette auf, an einem Strang zu ziehen. Keinem ist damit gedient, wenn angesichts der ökonomisch hoch defizitären Schweinefleischerzeugung die Rohstoffversorgung vor der Haustür wegbricht. Und ganz besonders an Großhandel und dem Außer-Haus-Verzehr gerichtet fordert ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack: Schaffen Sie Transparenz und geben Sie deutschem Schweinefleisch endlich Vorfahrt!

